Open Call – Sammelband

Julian und Frede von www.kikk-bildungsban.de veröffentlichen einen Sammelband zum Thema Klassismus und suchen Texte und Zeichnungen.

Open Call:

Für dich sind Klassismus und Klassenzugehörigkeit ein Thema und du fühlst dich der Poverty Class/Working Class¹ zugehörig/hast selbst in der ersten Generation studiert? Du hast Lust eigene Erfahrungen zu teilen? Für unser Sammelband zum Thema Klassismus suchen wir verschiedene Texte und Zeichnungen!

Du kennst das Gefühl, in der Schule gemieden zu werden, weil du nicht die neusten Schuhe oder überhaupt nur selten neue Klamotten hattest? Scham zu spüren, weil die Kosten für die Klassenfahrt für deine Eltern nur schlecht zu stemmen waren? Du kennst das Gefühl, nicht gehört zu werden, weil deine Sprache nicht „gut“ genug ist und Nachfragen für dich keine Option ist? Du kennst das Gefühl, dich nicht zugehörig zu fühlen, wenn Freund*innen ihre Urlaubsfotos teilen und du weißt, ein Urlaub ist für dich nicht drin, wenn du weiter studieren willst? Für dich ist Erben etwas, dass du nie erleben wirst? Das Geld für das geklaute Fahrrad, den nächsten Urlaub, eine Zahnprophylaxe ist nicht einfach übrig? Du kennst das Gefühl, wenn Lehrer*innen glauben, dass aus dir „nichts“ wird? Du weißt, wie es ist, mehr als einen Job zu haben, um dich selbst zu finanzieren? Deine Eltern können/konnten dich selten unterstützen, weil ihnen sozio-kulturelle oder ökonomische Ressourcen fehlen/gefehlt haben? Dann wollen wir von deinen Erfahrungen hören!


Worum geht’s uns?
Wir wollen unser Buch Klassenfahrt im Herbst 2021 veröffentlichen. Es handelt sich um ein Sammelband, in dem in der ersten Generation studierte/studierende und Personen der Poverty Class und Working Class ihre eigenen Erfahrungen zum Thema Klasse und Klassenzugehörigkeit teilen. Wir wollen Sichtbarkeit für das Thema Klassismus und für Strukturen hinter einzelnen geteilten Erfahrungen. Durch die Sichtbarmachung von Strukturen sollen Personen sehen, dass persönliche Erfahrungen in einzelnen Situationen häufig geteilt werden. Unser Sammelband ist nicht theoretisch, sondern will private Geschichten zum Thema sammeln.


Wer steht hinter dem Sammelband?
Julian Knop und Frede Macioszek. Wir sind verschieden positionierte Personen, jedoch einen uns unsere Erfahrungen in Situationen und Kontexten in denen sich Klassismus zeigt. Wir sind weiß, eins von uns hat eine in Osteuropa sozialisierte Herkunftsfamilie, eins in Westdeutschland. Eins von uns ist cis- und eins trans*. Eins von uns hat studiert und eins ist nicht studiert. Wir sind um die 30 und teilen das Wiederfinden in pansexuell, homosexuell und queer. Für uns ist Klassismus seit einigen Jahren ein wichtiges Thema, über das wir einzeln in Vorträgen und Workshops schon gesprochen haben. Neben Klassismus gehören Normen von/zu Geschlecht und Sexualität sowie psychische Gesundheit zu einigen unserer Themen.

Unser Sammelband wird über den Verlag edition assemblage veröffentlicht, einen gesellschaftskritischen, linken und politischen Verlag. https://www.edition-assemblage.de/575-2/


Was könnt ihr einreichen und wer kann einreichen?
Wir suchen verschiedene Formate. Du kannst uns gerne Zeichnungen und Comics schicken, genauso wie verschiedene Textformen, wie Kurzgeschichten, Kolumnen, Erfahrungserzählungen und kurze Rants² (schreit/schreibt eure Erfahrungen raus). Wichtig ist für uns, dass es sich um eigene Erfahrungen handelt. Sie sollen nicht fiktional sein, können jedoch fiktionalisiert werden.
Inhaltlich wollen wir Erfahrungen zu Themen nicht eingrenzen und freuen uns insbesondere über die Zusendung intersektionaler³ Einreichungen. Es kann thematisch um (Lohn-)arbeit, Geld, Gesundheit, Freund*innenschaften, Herkunftsfamilien, … gehen, eigentlich um jedes Thema über das du schreiben/zeichnen und Erfahrungen teilen willst. Wir wollen in unserem Sammelband Sichtbarkeit für Gedanken und Gefühle von Personen, die nicht in ihrer Klassenzugehörigkeit privilegiert sind.
Wir suchen Erfahrungen von Personen, denen Zeit, Selbstsicherheit und Strukturen fehlen zu schreiben und/oder sich vor eine Gruppe zu stellen und von ihren Erfahrungen zu sprechen und von Personen, die sich seit Jahren für Sichtbarkeit von Klassismus einsetzen.
Wir suchen Erfahrungen von Poverty Class, Working Class, Studierten/Studierenden in der ersten Generation, von Schwarzen, von weißen, PoC (People of Color), von cis-, trans*, inter* Personen, von Weißen, die Antislawismus erleben, von Personen, für die physische und psychische Gesundheit Themen sind, von in Ostdeutschland groß gewordenen Personen, von heterosexuellen und homosexuellen Personen und Personen verschiedener Generationen.


Wie geht die Einreichung?
Du kannst uns eine Idee oder ein fertiges Werk einreichen. Für uns ist wichtig, Idee oder ganzes Werk, zur ersten Sichtung bis zum 27. September 2020 zu haben. Sende es uns an klassenfahrt.buch@gmail.com. Wenn du Fragen hast, zu den Formaten, der Länge oder thematisch nicht sicher bist, kannst du uns gerne vor dem 27. September schreiben.
Einreichung einer Idee: Schicke uns ein Dokument (gerne bis zu 3000 Zeichen, kürzer ist natürlich ok), in dem du schreibst, über welches Thema du sprechen willst und in welchem Format (Erzählung, Zeichnung, …). Schicke uns einen Titelvorschlag und schreib uns gerne was zu dir (und deiner Positionierung⁴.
Einreichung eines Beitrags: Schicke uns deinen Beitrag und einen Titel, höchstens in einer Länge von 8 DINA5-Seiten/ 12 000 Zeichen, Schriftgröße 12, .docx-Format). Kürzere Texte von 1-3 Seiten sind erwünscht!
Natürlich kannst du uns mehr als einen Beitrag schicken. Du kannst unter deinem Namen veröffentlichen oder ein Pseudonym suchen. Hinweis zu Zeichnungen und Comics: Der Sammelband wird in schwarz/weiß veröffentlicht und Zeichnungen sollten dann noch hübsch sein.
Wir wollen dir Honorare zahlen. Wir selbst und unser Verlag haben keine Honorargelder für Texte zur Verfügung. Wir werden Förderanträge stellen und eine Crowdfunding-Kampagne starten, um Gelder für Honorare zu erhalten. Wir sind sehr zuversichtlich, so Honorare zahlen zu können. Es wird Honorarpauschalen für verschiedene Längen von Texten geben.


Was passiert nach der Einreichung?
• Du erhältst von uns eine Empfangsbestätigung.
• Bis zum 30. Oktober erhältst du von uns eine Rückmeldung über die Verwendung deiner Einreichung(en).
• Zwischen dem 01. November und dem 21. Dezember bitten wir dich, uns deine finalen Beiträge zuzusenden und einige Zeilen zu dir.
• Wir würden gerne von jeder Person 1-2 Zeilen zu Position(ierung)/Themen/Hobbys hinschreiben – nur was du willst, wir können das gerne rücksprechen und wollen, dass du nur teilst, was du teilen willst.
• Wir wollen in unserer Sammlung verschiedene Perspektiven und Erfahrungen sichtbar machen. Ob Personen, die sich seit Jahren für Sichtbarkeit von Klassismus einsetzen und Personen, die das noch nicht tun, unterschiedliche Positionierungen, Wohnorte auf dem Land oder in der Stadt, sind Themen, nach denen wir entscheiden.

_______________________
(1) Beide Begriffe sind vielschichtig und umfangreich. In Poverty Class und Working Class finden sich z.B. wieder: Personen, die ein niedriges Einkommen haben, erwerbslos sind, nicht ohne (finanzielle) Unterstützung studieren können/könnten, nicht studieren können, weil sie einen Hauptschul- oder Realschulabschluss haben. Es geht um den Klassenhintergrund.
(2) Rant ist aus dem Englischen übernommen und bedeutet „schimpfen“. Wenn eine Person vor Genervtheit oder Wut ausrastet und laut schimpf ist das z.B. ein Rant.
(3) Im Englischen bedeutet “Intersection” Straßenkreuzung. Wenn du dir vorstellst, dass Diskriminierungen jeweils Straßen sind, dann kann es Straßenkreuzungen da geben, wo mehrere Diskriminierungen zusammenkommen. An dieser Kreuzung verweben sich die Verkehre, manchmal sind sie nicht auseinander zu halten, Unfälle (Diskriminierungen) können aus verschiedenen Richtungen kommen.
(4) Wenn du dich äußerst, dann nimmst du eine Position ein. Auch gesellschaftlich können wir verschiedene Positionen haben. Zum Beispiel kann unsere Klassenzugehörigkeit eine Position sein: bist du eher arm, oder eher reich? Hast du studiert, oder die Schule abgebrochen, oder beides? Positionierungen können von dir selbst vorgenommen werden, oder von anderen (dann nennt man dies Zuschreibung). Es kann Sinn ergeben, auf die eigene Position zu schauen, um gesellschaftliche Strukturen greifbar zu machen. In verschiedenen Positionierungen zeigen sich Privilegien oder das Fehlen derer. 

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